Geschichte im Internet

In den letzten Tagen habe ich meine Linksammlung für Geschichte und Geschichtswissenschaften im Internet mal auf den neuesten Stand gebracht. Nach dem Studienabschluss kann ich ja nun leider nicht mehr auf die Insel der Glückseligkeit im Bereich Militärgeschichte, die Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg zurückgreifen und bin im Moment auf die Online-Angebote und wenige ausgewählte Zeitschriften beschränkt. Ich möchte einige der Angebote hier einmal kurz vorstellen:

H-Soz-u-Kult: Seit 1996 die Anlaufstelle für die Historische Wissenschaft im Internet. Das Motto der Seite lautet: „Von Wissenschaftlern- für Wissenschaftler – durch Wissenschaftler“. Hier findet man Rezensionen, Tagungsberichte, eine Stellenbörse für Historiker und vor Allem: Einen Newsletter der einen mit Informationen zu so ziemlich allen historischen Publikationen und Veranstaltungen in Deutschland und darüber hinaus versorgt.

Das Problem der Seite ist nicht zu wenig Information sondern unglaublich viel. Der neue Nutzer sollte ein wenig Einarbeitungszeit und viel Geschick beim Konfigurieren von Email-Filtern mitbringen um diese Seite richtig nutzen zu können. Hat man sich aber einmal zurechtgefunden bietet sie eine unerschöpfliche Breite und Tiefe an Fachinformation. Durch die konsequente Umsetzung des „Open Access Prinzips“ sind alle Inhalte auch sofort und kostenfrei verfügbar.

Das Zeitgeschichtliche Archiv ist, wie der Name schon sagt, ein Archiv. Die Volltextsuche nach kostenloser Registrierung offenbart 9 Millionen Zeitschriftenartikel aus der Zeit seit 1946 bis zum Ende des Ost-West-Konflikts. Ist man auf interessante Quellen gestoßen wird pro Kopie ein kleiner Unkostenbeitrag von 50 Cent fällig. Das ist aber nichts zu der wunderbar bequemen Möglichkeit vom Sofa aus nach relevanten Quellen zu forschen ohne sich dem Risiko einer Staublunge im nächsten Archiv auszusetzen. Nachteilig könnte hier nur sein das man schwer über Querverweise stolpert, ohne die richtige Suchstrategie übersieht man wohl das eine oder andere Kleinod in den Beständen.

Das Ganze ist also nur für jemanden interessant der sich für ein konkretes historisches Thema oder Forschungsprojekt interessiert, gleiches gilt für das Bundesarchiv und seine Online-Suchmaschine ARGUS.

Einen etwas leichter zugänglichen Ansatz für den an der Zeitgeschichte Interessierten bieten die beiden neuen Portale: friedlicherevolution.de und deinegeschichte.de. Das letztere wendet sich dabei mehr an Schüler, hier werden sie in verschiedenen Themenkomplexen an die Erforschung der DDR-Geschichte herangeführt. Das Portal ist konsequent auf Web2.0 ausgerichtet, das Beisteuern eigener Beiträge wird so einfach wie möglich gemacht. Hier liegt auch aktuell noch eines der größten Probleme der Seite, hinter vielen Überschriften fehlen noch die Inhalte.

Bei friedlicherevolution.de ist die Zielgruppe dann doch schon etwas erwachsener, hier sind allerdings die Möglichkeiten der Partizipation eher begrenzt, sie beschränken sich im Wesentlichen auf Kommentare zu den Einträgen. Dafür gibt es hier eine Medienübersicht in der alle thematisch passenden Fernsehbeiträge übersichtlich zusammengefasst sind. Super wenn man keine Lust hat die Fernsehzeitung oder den Videotext nach passenden Sendungen zu durchforsten.

Insgesamt gibt es mittlerweile sehr gute Internetangebote zum Bereich Geschichte, egal ob man sich wissenschaftlich damit beschäftigt oder einfach nur auf der Suche nach halbwegs gesicherten und belegten Informationen ist.

Viel Spass beim Lesen und Recherchieren, über Hinweise auf weitere Angebote bin ich immer dankbar!

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Stefan Lorenz

Das Recht auf Scheitern

“Das Recht auf Scheitern  ist notwendiger Bestandteil einer Marktwirtschaft.”

Diesen Satz habe ich in einer Seminararbeit der Friedrich-Naumann-Stiftung mit dem Titel: Junge Ideen für eine moderne Wirtschafts-, Finanz- und  Arbeitsmarktpolitik gefunden. Vor allem in Deutschland ist Scheitern ein Makel, vor allem Unternehmer die scheitern werden oft mit einem gewissen Misstrauen betrachtet. Aber auch  außerhalb der Wirtschaft hat sich die “Sieger-Mentalität” durchgesetzt, frei nach The Rock:

"Nur Versager sprechen davon, ihr Bestes zu geben. Gewinner ficken die Ballkönigin"

Nun, von The Rock werden solche markigen Sprüche erwartet, aber ebensowenig wie Endlosmagazine und stets reibungslos interagierende moderne Technik existieren, gibt es das stete Happy End zu jeder Episode. Scheitern gehört zum Leben wie der Erfolg auch wenn wir alle nur gern die Erfolgsgeschichten hören mögen. Risiken wagen und daran scheitern hat jedoch neben der individuellen Perspektive auch eine gesamtgesellschaftliche Perspektive. Ich möchte diese beiden Ebenen getrennt voneinander betrachten, denn sie trennt doch mehr als nur der Blickwinkel

Die mikroskopische Ebene

Jeder von uns ist auf einer persönlichen Ebene schon einmal gescheitert, vor allem in Beziehungen tut es besonders weh. Vor allem wenn das Scheitern überraschend offenbar wird sitzt der Schmerz tief, wenn man die jahrelange Affäre des Partners aufdeckt oder in eine leere gemeinsame Wohnung kommt. Dann bleibt man zurück mit unzähligen Fragen und dem lähmenden Gefühl die Schuld für das scheitern zu tragen. Vor allem wenn der ehemalige Partner jeden Kontakt verweigert steigert man sich schnell in eine Spirale aus Selbstzweifeln und Selbstmitleid welche dann das Scheitern einer eventuellen neuen Beziehung nur vorprogrammiert. Diese Spirale kann man mit drei Eigenschaften relativ leicht durchbrechen:

  1. Selbstreflexion: Am Anfang jeder Krisenbewältigung steht die Ursachenforschung. Woher kommt die Krise? Welchen Einfluss hatte ich selbst auf die Entwicklung und an welcher Stelle hätte ich mal genauer hinschauen müssen? Das soll jedoch nicht dazu dienen sich selbst die Schuld zu geben und überall nach den verpassten Gelegenheiten zu suchen. Es geht darum für die nächste Episode gewappnet zu sein und vielleicht an bestimmten Nuancen des eigenen Verhaltens zu arbeiten.
  2. Feedback: Damit meine ich vor allem die Feedbackregel: “Rechtfertige dich nicht.” Es gibt immer gute Gründe warum man diese oder jene Entscheidung getroffen hat. Beim Feedback geht es aber darum zu erfahren was andere darüber denken und nicht was man sich selbst gedacht hat, das weiß man ja schon.
  3. Vertrauen: Auch wenn es am Ende steht ist Vertrauen das wichtigste Element einer guten Krisenbewältigungsstrategie. Nur wenn man sich selbst vertraut die Krise zu bewältigen kann man die Spirale des Selbstmitleids durchbrechen.

Der Schwerpunkt liegt immer auf der Bewältigung der Krise. Viele Menschen reagieren mit Verdrängung auf Scheitern und krisenhafte Entwicklung. Nur wenn man den internen Konflikt jedoch ausficht kann die Krise eine positive Folge haben. Dann kann man aus den Erfahrungen lernen und beim nächsten Mal ein kleines bisschen besser sein, denn perfekt wird wohl nie jemand werden.

Diese persönliche Erfahrung des Scheiterns kann sich jedoch auch wirtschaftlich einstellen. Gerade in den Zeiten hoher Arbeitslosigkeit machen sich vor allem gut ausgebildete erfolgsverwöhnte Menschen selbstständig wenn sie keinen neuen Job finden oder einfach nur noch für sich selbst arbeiten wollen. Genau in diesen Zeiten scheitern jedoch naturgemäß auch die meisten Menschen mit diesen Plänen. Vor allem für Menschen die es gewohnt sind Erfolg zu haben und stets die Leiter nach oben zu fallen ist das Scheitern mit dem eigenen Projekt besonders hart. Diese Menschen erleiden aber auch noch einen anderen Tiefschlag, plötzlich werden sie von Freunden und Bekannten gemieden, ehemalige Geschäftspartner kennen sie nicht mehr und Bewerbungen werden dankend abgelehnt, vielleicht geht sogar die Beziehung daran kaputt. Dieses Negativszenario hält viele Menschen davon ab ein wirtschaftliches Wagnis einzugehen und ihre eigenen Geschäftsideen zu verwirklichen. Aber stellen wir uns einmal vor Bill Gates oder die beiden Google-Gründer wären ihrem Ruf nicht gefolgt, wie arm unsere tolle neue digitale Welt ohne Google und Windows wäre, sie würde wohl noch nicht mal existieren. Spätestens dieser Aspekt führt uns auf die makroskopische Ebene.

Die makroskopische Ebene

Egal ob auf persönlicher oder gesamtgesellschaftlicher Ebene, Krisen sind also gleichzeitig Ausgangspunkte für Prosperität und Wohlstand. Eine marktwirtschaftliche Gesellschaft muss also, wie eingangs zitiert, das Eingehen von Risiken belohnen. Vor allem ihre höhere Innovationsfähigkeit hat  sie positiv von einer sozialistischen Weltordnung abgehoben. Denn die wirtschaftliche Innovation zieht irgendwann politische Innovation nach sich, das Internet und seine unbegrenzten Kommunikationsmöglichkeiten sind das beste Beispiel dafür.

Um diese Innovationsfähigkeit zu erhalten muss man das Scheitern gesellschaftlich und rechtlich mit einkalkulieren und dennoch nicht jegliches Lebensrisiko beseitigen. Ein schmaler Grat zwischen Anreiz und Absicherung muss gefunden werden und ordnungspolitisch in einen sicheren Steg verwandelt werden.

Während staatliche Grundsicherung nur die sozialen Unterschiede zementiert und jeglichen Anreiz zur Einkommensverbesserung reduziert stellt das liberale Bürgergeld eine sinnvolle Alternative dar. Wenn der Unterschied zwischen 40h Arbeit und süßen Nichtstun gerade mal 100€ ausmacht kann man niemandem das späte Aufstehen verdenken. Das liberale Bürgergeld fördert den Hinzuverdienst und schafft somit einen Anreiz für die Aufnahme einer Tätigkeit.

Auf der anderen Seite des Risiko steht die Absicherung beim Scheitern: Hier ist es notwendig ein klares Insolvenz- und Gesellschaftsrecht zu schaffen. Haftungsregelungen und die Einführung einer 1-Euro-GmbH würden die Hürden für eine Existenzgründung stark absenken. Kleine Unternehmen stellen die beste Versicherung gegen globale Krisen dar, sie sind weniger vom Weltmarkt abhängig und haben einen deutlich niedrigeren Finanzierungsbedarf. Staatlich gesicherte Risikokapitalgesellschaften bieten auf lange Sicht deutlich bessere Aussichten auf eine stabile Wirtschaftsentwicklung als die Verstaatlichung von Banken und Großunternehmen.

Das Recht auf Scheitern birgt aber auch eine Pflicht zum Scheitern. Es darf dann keine Kompromisse oder Staatseingriffe bei großen insolvenzgefährdeten Unternehmen geben. Diese Beruhigungspillen stehen nur einem moderaten und dringend notwendigen Anpassungsprozess im Weg.  Wenn durch Staatseingriffe Konflikte vermieden werden kann daraus kein Wachstum entstehen, die weniger produktiven Strukturen werden dann nur auf Kosten aller gestützt, die Marktwirtschaft verliert ihre größte Stärke, die Innovationsfähigkeit. Und auch die Inkaufnahme schlechter Renditen rächt sich langfristig, schließlich fehlt das eine Prozent dann im nächsten Jahr wieder bei der Zinseszinsberechnung. 

Die Politik sollte sich also auf zwei Dinge beschränken: Gleiche Starchancen durch umfassende Bildung für alle und eine zweite Chance falls sich etwas mal nicht erwartungsgemäß entwickeln sollte. Dann wird aus der Krise eine Chance zum Wachstum.

Wenn Risiko belohnt wird dann hat man auch den Mut zum Scheitern. Für mich persönlich hat sich das Scheitern auf jeden Fall gelohnt! Dadurch habe ich meine jetzige Partnerin kennengelernt und wir erwarten freudig unser erste Kind in den nächsten Tagen!

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Stefan Lorenz