Das große Jammern

 

Als das Wahlergebnis bekannt wurde verstummten für einen kurzen Moment alle Blogger, Twitterer und Kommentatoren auf Facebook. Aber nur kurz, direkt danach begann das Heulen und Wehklagen. „Schwarz-Gelb“ ist das schlimmste was passieren kann, die CDU schränkt die Bürgerrechte weiter ein, die FDP drückt den Urheberschutz durch und so weiter.

Wenn man ehrlich ist, hätte es noch schlimmer kommen können. Kurz vor der Wahl sahen die letzten Umfragen Rot-Rot-Grün gleichauf mit Schwarz-Gelb. Eine Koalition aus einer Partei die noch nach ihrem Standpunkt sucht, einer Partei die dem letzten Überwachungsstaat doch noch irgendwie hinterher trauert und einer Partei die sich nur schwer zwischen Ökologie und technischem Fortschritt entscheiden kann wäre wohl deutlich schlimmer geworden.

Vor Allem diejenigen die sich für ein neutrales Netz stark machen kann ich am wenigsten verstehen. Die SPD hat sich doch gerade in den letzten Wochen zusätzlich für eine stärkere Regulierung des Internets stark gemacht, neue Regelungen im Pressefusionsrecht gefordert und durch ihren schlecht geführten Onlinewahlkampf ihre fehlende Kompetenz in diesem Bereich bewiesen. Die LINKE vertritt sowieso ein Menschenbild das mehr an den „neuen sozialistischen Menschen“ erinnert als an den für sich selbst verantwortlichen mündigen Bürger.

Schwarz-Gelb ist in dieser Kombination vielleicht nicht das Nonplusultra für Deutschland, eine bessere Alternative hat sich jedoch nicht geboten. Außer vielleicht Gelb allein. Aber das wird noch lange ein Traum bleiben. Durch die FDP kann der Freiheitsgedanke wohl weit besser vertreten werden als durch die eindimensionale Splitterpartei der Piraten, vor allem wenn sich diese gern mal in rechten Kreisen bewegen.  

Quellen:
http://www.netzpolitik.org/2009/klare-fronten-schwarz-gelb/
http://blog.zeit.de/zweitstimme/2009/09/27/strahlendes-trio_580
http://blog.zeit.de/zweitstimme/2009/09/27/schockstarre-auf-twitter_564
http://www.spreeblick.com/2009/09/27/bundestagswahl-2009-deutschland-wird-schwarzgelb/

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Stefan Lorenz

Onlinewahlkampf – so kann man es machen

Während Angela Merkel stolz ihre Erfolge in sozialen Netzwerken feiert, die bei genauerem Hinsehen nicht mal annähernd das Niveau der Kunstfigur Horst Schlaemmer erreichen zeigt die FDP wie man richtigen Online-Wahlkampf macht.

Youtube-Spot der FDP

Neben sehr amüsanten Youtube-Clips gibt es jede Woche eine nette Mail mit kleinen Ideen mit denen man selbst zum Wahlkämpfer mutieren kann:

Anbei finden Sie, wie gewohnt, 7 kleinere Wahlkampfideen für die kommende Woche:
1. Verschicken Sie den Link zum FDP-TV-Spot an 10 Freunde.
2. Spenden Sie ein Großflächenplakat mit Westerwelle über den 1-2-3 Service oder kaufen Sie sich Ihr ganz individuelles mit Ihrem eigenen Kopf und Ihrem eigenen Name über das Online-Tool des liberal Verlages.
3. Organisieren Sie eine blau-gelbe Radtour.
4. Schreiben Sie einen FDP-freundlichen Leserbrief an Ihre Zeitung.
5. Führen Sie ein Mini-Fundraising auf Ihrem Balkon durch – Kiste Bier, Kiste Politik und Kiste Geld für den Bürgerfonds.
6. Fragen Sie in Ihrem Wahlkreis oder über das MitMachZentrum nach den ersten Info-Ständen sowie nach regionalen Veranstaltungen und stellen Sie sich für ein paar Stunden zur Betreuung zur Verfügung.
7. Spendieren Sie Ihren Freunden einen Blau-gelben Drink.

Besondere Aktion:
Da sich 50% unserer Wähler erst in den letzten 3 Tagen vor der Wahl für die FDP entscheiden, unterstützen Sie die FDP in Sachsen, Thüringen, Saarland und NRW. Rufen Sie, smsen Sie oder mailen Sie 5 Freunden, Verwandten oder Bekannten in den wahlkampfführenden Bundesländern.

Dann  stolpert man schon über die nächste Aktion: Wahlkampffotos bei flickr oder mal einen Wahlkampfstand für ein paar Stunden betreuen so mobilisiert man die Webcitizen auch mal für Aktionen außerhalb des Web 2.0.

Das ganze soll trotz der nur schwer zu verbergenden Bewunderung für die Kampagne kein Wahlwerbeartikel werden, es geht hier einfach nur einmal darum zu zeigen welche Möglichkeiten man hat wenn man die Adressaten der Werbung ein wenig ernst nimmt.

Wenn man bei dieser Mediennutzung noch Netzneutralität und digitale Bürgerrechte zu seinen Kernanliegen macht dann können auch die Piraten dieses Schiff nicht mehr ins Wanken bringen. Die FDP versucht sich in allen Belangen als die neue bürgerliche Mitte zu präsentieren, leider ist das noch nicht so ganz im Programm angekommen. Es fehlen klare Aussagen zu Datenschutz und Persönlichkeitsrechten im Netz und vor allem zur bürgerlichen Freiheit allgemein, abseits von Steuerreform und Wirtschaftspolitik!

Das Medium ist nicht alles, auch die Botschaft sollte schlüssig sein!

UPDATE: Leider hat die Junge Union bewiesen wie man es nicht machen sollte! Wen will die JU damit überzeugen? Kindergartenkinder? Dann muss aber noch schnell das Wahlalter auf 4 gesenkt werden. Dann kann man auch Rolf Zuckowski engagieren und sich gar nicht mehr um Inhalte kümmern.

Das Video wurde mittlerweile entfernt, anscheinend sind die Reaktionen dann doch bis in die letzten vermieften Amtsträgerstuben durchgedrungen.

UPDDATE: Der Wahlfisch im Stern hat noch ein besonders gehaltloses Exemplar der Abteilung Online-Wahlkampf der CDU ausgegraben:

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Stefan Lorenz
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