Onlinewahlkampf – so kann man es machen

Während Angela Merkel stolz ihre Erfolge in sozialen Netzwerken feiert, die bei genauerem Hinsehen nicht mal annähernd das Niveau der Kunstfigur Horst Schlaemmer erreichen zeigt die FDP wie man richtigen Online-Wahlkampf macht.

Youtube-Spot der FDP

Neben sehr amüsanten Youtube-Clips gibt es jede Woche eine nette Mail mit kleinen Ideen mit denen man selbst zum Wahlkämpfer mutieren kann:

Anbei finden Sie, wie gewohnt, 7 kleinere Wahlkampfideen für die kommende Woche:
1. Verschicken Sie den Link zum FDP-TV-Spot an 10 Freunde.
2. Spenden Sie ein Großflächenplakat mit Westerwelle über den 1-2-3 Service oder kaufen Sie sich Ihr ganz individuelles mit Ihrem eigenen Kopf und Ihrem eigenen Name über das Online-Tool des liberal Verlages.
3. Organisieren Sie eine blau-gelbe Radtour.
4. Schreiben Sie einen FDP-freundlichen Leserbrief an Ihre Zeitung.
5. Führen Sie ein Mini-Fundraising auf Ihrem Balkon durch – Kiste Bier, Kiste Politik und Kiste Geld für den Bürgerfonds.
6. Fragen Sie in Ihrem Wahlkreis oder über das MitMachZentrum nach den ersten Info-Ständen sowie nach regionalen Veranstaltungen und stellen Sie sich für ein paar Stunden zur Betreuung zur Verfügung.
7. Spendieren Sie Ihren Freunden einen Blau-gelben Drink.

Besondere Aktion:
Da sich 50% unserer Wähler erst in den letzten 3 Tagen vor der Wahl für die FDP entscheiden, unterstützen Sie die FDP in Sachsen, Thüringen, Saarland und NRW. Rufen Sie, smsen Sie oder mailen Sie 5 Freunden, Verwandten oder Bekannten in den wahlkampfführenden Bundesländern.

Dann  stolpert man schon über die nächste Aktion: Wahlkampffotos bei flickr oder mal einen Wahlkampfstand für ein paar Stunden betreuen so mobilisiert man die Webcitizen auch mal für Aktionen außerhalb des Web 2.0.

Das ganze soll trotz der nur schwer zu verbergenden Bewunderung für die Kampagne kein Wahlwerbeartikel werden, es geht hier einfach nur einmal darum zu zeigen welche Möglichkeiten man hat wenn man die Adressaten der Werbung ein wenig ernst nimmt.

Wenn man bei dieser Mediennutzung noch Netzneutralität und digitale Bürgerrechte zu seinen Kernanliegen macht dann können auch die Piraten dieses Schiff nicht mehr ins Wanken bringen. Die FDP versucht sich in allen Belangen als die neue bürgerliche Mitte zu präsentieren, leider ist das noch nicht so ganz im Programm angekommen. Es fehlen klare Aussagen zu Datenschutz und Persönlichkeitsrechten im Netz und vor allem zur bürgerlichen Freiheit allgemein, abseits von Steuerreform und Wirtschaftspolitik!

Das Medium ist nicht alles, auch die Botschaft sollte schlüssig sein!

UPDATE: Leider hat die Junge Union bewiesen wie man es nicht machen sollte! Wen will die JU damit überzeugen? Kindergartenkinder? Dann muss aber noch schnell das Wahlalter auf 4 gesenkt werden. Dann kann man auch Rolf Zuckowski engagieren und sich gar nicht mehr um Inhalte kümmern.

Das Video wurde mittlerweile entfernt, anscheinend sind die Reaktionen dann doch bis in die letzten vermieften Amtsträgerstuben durchgedrungen.

UPDDATE: Der Wahlfisch im Stern hat noch ein besonders gehaltloses Exemplar der Abteilung Online-Wahlkampf der CDU ausgegraben:

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Stefan Lorenz

Nachdem unsäglichen Auftritt einer jungen Nachwuchspolitikerin in Morgenmagazin des öffentlich-rechtlichen Fernsehens könnte man fast glauben das die Internetausdrucker bereits vor der Wahl gewonnen haben. Wer den Auftritt verpasst hat, kann ihn hier nochmal ansehen: ( Gefunden über Stefan Niggemeier)

Ebenso seziert Rechtsanwalt Udo Vetter in seinem Law Blog die Forderung nach dem Einsatz von mehr Personal zur Verfolgung von Internetstraftaten. Hier ein paar Auszüge:

Es gibt bereits heute Internetstreifen. Beim Bundeskriminalamt ist die “anlassunabhängige Internetüberwachung” aktiv. Wie man hört, ist die Abteilung nicht schlecht besetzt. Ein Tätigkeitsschwerpunkt ist die Überwachung von Tauschbörsen auf kinderpornografisches Material. Ein Fahnder aus der Abteilung sagte mir kürzlich, dank einer speziellen Software werde praktisch jede deutsche IP-Adresse erwischt, über die verbotenes Material zum Upload bereitgehalten werde.

Interessant, irgendwie klingen mir immer noch die Aussagen unserer Familienministerin in den Ohren das man ohne umstrittene Stoppschilder niemals gegen Kinderpornographie ankommt. Wozu brauche ich die denn noch wenn eh jeder Deutsche erwischt wird?

Nach einem Absatz über die kleinen Internetstraftaten die  vor allem Leistungsrecht und Handelsrecht betreffen kommt er dann zum Kern des Problems:

Auch wenn ich drüber nachdenke, fällt mir dann nur noch das Gebiet der politisch und religiös motivierten Propaganda ein. Die sogenannten Hass- und Hetzseiten. Gestern hat ein Kommentator im law blog geschrieben, Meinungsfreiheit sei nutzlos, wenn sie nur genehme Meinungen schützt. Ich stimme dem zu. Wir brauchen keine Gedankenpolizei, die im Internet den Blockwart gibt und per Stoppschild oder Löschknopf entscheidet, was dort zu lesen ist.

Eine Gedankenpolizei macht vielleicht heute nur “anderen” direkt Angst. Aber sie führt auch bei jedem anderen dazu, dass er sich sorgt, ob er nicht vielleicht auch schon im Visier ist. Im Rahmen der Verfassungsbeschwerde über die Vorratsdatenspeicherung ist dieser Punkt ein wichtiges Thema. Das Gericht fragt nämlich, welche Auswirkungen allein das Wissen um Überwachung hat. Die Antwort findet sich auch schon in früheren Urteilen. Überwachung, selbst wenn sie nicht direkt als bedrohlich empfunden wird, führt zu Selbstreglementierung, Konformität und den vorauseilenden Verzicht auf die Wahrnehmung von Bürgerrechten.

Vielen Dank das es mal jemand ausspricht, warum haben wir denn den Überwachungsstaat im Osten Deutschlands abgeschafft? Bestimmt nicht um ihn 20 Jahre später in ganz Deutschland wieder einzuführen!

Aber es gibt noch Hoffnung, im gleichen Blog wurde das Skript von Prof. Thomas Hoeren vorgestellt. Er setzt sich auf 543 Seiten mit fast allen Aspekten des Internetrechts auseinander. Das Skript kann man hier downloaden.

Es gibt einen interessanten Einblick in die Entwicklung des Rechts für das Kommunikationsmedium Internet nicht den “Rechtsraum Internet”. Den kann es ja so auch nur für Menschen geben die zu viele schlechte Cyberspacefilme gesehen haben oder den düsteren  Zukunftsvisionen von “Deutschland in den Schatten” erlegen sind. Alle anderen wissen das das Internet nichts weiter als eine Kommunikationsverbindung zwischen mehreren Computersystemen ist. ( Siehe dieser Artikel in Spiegel Online)

Es bleibt also erneut festzuhalten, das Internet ist nicht rechtsfrei, es ist genauso rechtlichen Beschränkungen unterworfen wie ein Telefonanschluss oder ein Brief.

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Stefan Lorenz
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