Steinmeier und die Medien

Frank-Walter Steinmeier geriert sich gern als die echte Alternative zu einer im „weiter so“ verharrenden Kanzlerin. Die Äußerungen zu seinen medienpolitische Plänen fanden jedoch gerade in den neuen Medien eher ein geteiltes Echo. Auf folgende Punkte möchte ich besonders hinweisen:

1. Ein zeitgemäßes Medienkonzentrationsrecht, das vor allem auch der Entwicklung der Speichermedien (on demand) Rechnung trägt und neue Vermachtungsstrukturen (Google und Co.) klein hält.

2. Erleichterungen im Pressefusionsrecht für die Zeitungen sowie die Einführung eines Leistungsschutzrechts für Verlage im Urheberrrecht, damit kostspielig erstellte Inhalte nicht beliebig kostenlos kommerziell verwertet werden können.

3. Ein Rechtsrahmen für Internetangebote, der sicherstellt, dass die sich heute schon abzeichnenden und die schon realisierten Möglichkeiten des Missbrauchs die positiven Möglichkeiten nicht verdunkeln. (Quelle: siehe Link oben)

Da waren sie wieder die Überzeugungen von Menschen die selbst wohl noch nicht im Internet waren, deren Facebook-Accounts gemanaged werden und die den Wahlkampf im Internet führen müssen weil man das eben heute so macht.

Das könnte man so glauben, vor allem nach den üblichen Äußerungen der letzten Zeit aus diesen Kreisen. Ich habe mich da aber an einen anderen Aspekt erinnert der vor allem die ersten beiden Punkte in ein etwas anderes Licht taucht.

Die SPD als Medienunternehmer

Die SPD besitzt über ihre Medienholding DDVG Anteile an fast allen regionalen Tageszeitungen. Diese Verlagsholding hat in den letzten Jahren mit ihren Gewinnen für ein sattes Plus in der Parteikasse gesorgt. Im Jahr 2008 gingen 8,1 Mio. € nach Steuern an die SPD, im Jahr davor waren es sogar 11,4 Mio. € (Quelle: manager-magazin.de). Über diese Holding verfügt die SPD über große Anteile an der Frankfurter Rundschau, Regionalzeitungen aus Franken, Sachsen und Schleswig-Holstein.

Nicht nur die Sächsische Zeitung aus Dresden oder der Nordbayrische Kurier aus Bayreuth gehören zur Holding, über die Verlagsgesellschaft Madsack aus Hannover ebenfalls noch die Leipziger Volkszeitung und die Hannoversche Allgemeine. Diese Gesellschaft hält außerdem noch Anteile an AZ Media TV (90%), einen wichtigen Inhaltslieferanten für Reportagen vor allem für die  RTL-Group sowie Anteile an mehreren regionalen Radiosendern.

Insgesamt ist die Medienholding wohl schon öfter in der politischen Kritik gewesen, der Link „Behauptet wird… wahr ist…“ ist ein Versuch der Kritik pro aktiv zu begegnen. So richtig überzeugt die Argumentation nicht, gerade diese Rechtfertigung hinterlässt einen faden Beigeschmack. Das komplette Organigramm der Holding offenbart auch ein weitverzweigtes Geflecht an Beteiligungen.

Keine Propagandamaschine

Damit soll nicht erneut eine politische Einflussnahme vermutet werden, diese ist durch die aktuellen kartellrechtlichen Bestimmungen nahezu ausgeschlossen. Mir geht es hier darum deutlich zu machen das der Kanzlerkandidat der SPD aktiv eine Veränderung dieser kartellrechtlichen Bestimmungen fordert und unabhängige Konkurrenz wörtlich „klein“ halten will. Wenn der SPD jetzt schon die Mitglieder weglaufen muss man wenigstens die anderen Einnahmequellen sichern. Eine derartige Einflussnahme zum eigenen wirtschaftlichen Vorteil steht gerade Sozialdemokraten wohl eher nicht gut.

Es soll hier explizit nicht vor den politischen Gefahren einer oligopolen Presselandschaft gewarnt werden, diese Schlussfolgerung mag jeder für sich selber ziehen. Es geht vor allem um die Doppeldeutigkeit des Medienpolitischen Programms. Unter dem Deckmantel des Bestandschutzes des öffentlichen Diskurses wird knallharte Machtpolitik zur Durchsetzung der eigenen unternehmerischen Ziele betrieben. Da hilft auch die Zitation von Habermas nicht viel, ebenso wenig der Hinweis auf die Rolle der Medien in der politischen Wende von 1989.

Wenn man schon als Unternehmer in der Marktwirtschaft agiert dann sollte man auch den Markt erhalten wollen. Die Aussagen des Kanzlerkandidaten lassen aber die Vermutung zu, dass hier das politische Gewicht genutzt werden soll um mehr Einfluss am Markt zu haben.

Blumig wird im Medienpoltischen Programm die Funktion der Medien und das Marktversagen beschrieben, dieses Marktversagen scheint aber vor allem die Medien der DDVG zu betreffen, deren Überschüsse trotz massiver Internetpräsenz immer weiter absinken. Hier soll es nun die staatliche Regulierung richten. Eine ehrliche Politik sieht anders aus.

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Stefan Lorenz

Das Netz im Wohnzimmer

Große flache Bildschirme beherrschen die IFA in diesem Jahr ebenso wie in den letzten 5 Jahren, in diesem Jahr kommen noch die Anbieter diverser 3D-Fernsehlösungen hinzu. Ebenso tauchen immer mehr massenmarkttaugliche Blu-Ray Geräte auf und HDTV-Receiver sollen zusammen mit VDSL und digitalem Kabel dem hochauflösenden Fernsehen den endgültigen Durchbruch verschaffen. Auf der anderen Seite scheint sich auch endlich was bei der Symbiose zwischen alten und neuen Medien zu tun. Immer mehr Fernseher kommen mit Widgets, Portalen oder Protokollen zum Abspielen von Netzwerkmedien auf den Markt.

Philips hat auf den ersten Blick die am weitesten entwickelte Internetanbindung für seine Fernseher realisiert, neben den üblichen Angeboten wie YouTube, flickr und kino.de kann man auf diesem Gerät einen Browser starten der Zugriff auf frei wählbare Inhalte erlaubt. Diese Möglichkeit wird auch werbewirksam präsentiert, dabei wird nur allzu gern vergessen, dass dieser Browser derart viel Rechenleistung verlangt das er sich nach jedem Klick eine kleine Pause gönnt und ähnlich wie das IPhone keine integrierten Flashfilme wiedergeben sowie kein Javascript verarbeiten kann. Damit entfallen 90% der modernen Internetseiten für diesen Fernseher oder werden falsch dargestellt. Auch die Portale von Samsung, Sony und Panasonic bieten bis auf den Browser ähnliche Funktionalität, die Geschwindigkeit lässt jedoch in allen Bereichen zu wünschen übrig.

Ein weiteres Problem der Symbiose von Wohnzimmerunterhaltung und weltweitem Netz ist die heterogene Bedienung der einzelnen Angebote. Die Hersteller der Fernseher wollen und müssen auf Tastatur und Maus verzichten um den Nutzer ansprechen zu können, die Internetseiten sind jedoch nur bedingt bedienbar ohne diese Instrumente. Bildschirmtastaturen, wie man sie aus Zeiten des SNES, noch kennt werden heute nur noch schwerlich begeisterte Nutzer finden. Der Rückgriff auf eine Nintendo-Konsole kommt aber nicht von ungefähr, eine Bedienung ähnlich der WiiMote als Ersatz für die Maus als Zeigegerät, verbunden mit einer Zahlentastatur mit T9 würde wohl für die meisten Wohnzimmersurfer vollkommen ausreichen.

Eine weitere Herausforderung für die Hersteller ist das Abspielen von Netzwerkmedien. Vor allem die Decodierung von hochauflösendem Material erfordert sehr viel Rechenleistung, viele günstige Büro-PC sind mit einer derartigen Aufgabe überfordert. Ein surrender Lüfter im Fernseher, der den HD-Audio Genuss dann doch erheblich stört, wird wohl von den wenigsten Nutzern toleriert werden. NVIDIA’s ION Plattform bietet hier die ersten Lösungsansätze. Die passive Kühlung ist trotzdem nur schwer realisierbar., eine aktive macht sich spätestens nach zwei Jahren im Wohnzimmer bemerkbar wenn die Lager der Lüfter genug Staub aufgenommen haben. Aber nicht nur HD-Material ist schwierig zu behandeln, die Vielzahl an verfügbaren Kodierungen und Dateiformaten macht es fast unmöglich alle Szenarien vorauszusehen die sich der Nutzer für das Gerät ersinnen könnte. Und genau der eine, jetzt so wunderbar zu Stimmung passende Film läuft dann wieder nicht auf dem tollen Fernseher. Spätestens dann bekommt man von seiner Gattin vorgehalten, dass man zu viel Geld für das Gerät ausgegeben habe.

Netzwerkanbindung per WLAN und LAN ist kein größeres Problem mehr, das Einlesen von USB-Medien ebenfalls nicht. Aber auch hier haben die Fernseher mit der schwachen Rechenleistung zu kämpfen, niemand will eine Diashow sehen bei der jedes Bild länger aufgebaut als angezeigt wird. Dann schlafen die Nachbarn ja noch schneller ein. Leider ist das gerade bei großen unbearbeiteten Bildern der Fall, die meisten Menschen die diese Form der Zerstörung gutnachbarlicher Beziehungen nutzen werden die Bilder aber genauso an den Fernseher übergeben. Man könnte hier einen großen Pufferspeicher dazwischenschalten, dieser würde der Hardware genügend Zeit geben die Bilder zu decodieren. Andererseits fehlt eben auch hier die Rechenleistung.

Als Fazit über den aktuellen Stand der Verbindung zwischen Netz und Heimkino lässt sich festhalten: Gute Ideen gibt es allerorten, aber entweder denken die Ingenieure immer noch nicht an den Nutzer oder die Produktmanager zwingen sie zur Veröffentlichung unfertiger Produkte um ja nicht den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren. Die fehlende Rechenleistung der eingebauten Komponenten fehlt an allen Ecken und Enden, selbst die Bedienung der Kernfunktionen mit aufwendigen Menüs ist teilweise hakelig und langsam.

Für den Nutzer kann das nur eins heißen: Abwarten! Wer dafür keine Zeit hat oder experimentieren will, für den kommt eigentlich nur ein Medienzuspieler mit Netzwerkanschluss in Frage, der kostet nicht so viel und kann bei Bedarf schnell ausgetauscht werden.

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Stefan Lorenz
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