Griechische Tragikomödie

theater-big In einem Beitrag über die griechische Theaterszene thematisierte der DLF die fehlenden finanziellen Mittel für die staatliche Unterstützung der Kulturszene in Griechenland. Dabei stand jedoch nicht das sonst übliche Klagelied über den Untergang der abendländischen Kultur im Mittelpunkt sondern eher die Projekte die sich ohne staatliche Unterstützung finanzieren können.

"Das mag im Augenblick hart klingen, aber wir sollten die Gelegenheit beim Schopf packen und uns vom Kulturministerium unabhängig machen. Theater machst du sowieso aus einem inneren Bedürfnis heraus. Du magst über bestehende Missstände aufmerksam machen. Du willst echte Gesellschaftskritik üben, die sozialen Ungerechtigkeiten frei hinausschreien, sodass sie bis in jede Ecke dieses Landes gehört werden können. " 1

Das hat mich an eine Schrift von Frederic Bastiat “ Was man sieht und was man nicht sieht” 2 erinnert. Im Kapitel „Theater und Künste“ zweifelt er bereits 1850 den Nutzen von staatlicher Kulturförderung an. Kultur ist aus Sicht des liberalen Vordenkers Arbeit wie jede andere auch. Die Kultur muss also ihren Wert durch die Wertschätzung ihrer „Kunden“ beweisen. Damit würde sie, so argumentiert er, sich dem staatlichen Zugriff entziehen und dem Volk das bieten was das Volk sehen will.

In Deutschland werden 90% der Finanzierung von Kultur durch die öffentliche Hand getragen. Dabei rühmt man sich noch der Steigerung des Etats trotz Wirtschaftskrise. 3 Dieser Anteil der öffentlichen Haushalte ist aus meiner Sicht mindestens erschreckend, zeigt er doch wie sehr die Kultur in Deutschland an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei geht.

Kultur hat vor allem eine Unterhaltungsfunktion, Menschen gehen in Konzerte um sich unterhalten zu lassen. Sie sehen sich Opern an weil sie sich dafür interessieren. Das war vor 200 Jahren nicht anders als heute. Damals hatten nur wenige Menschen Zugang zu derartigen Angeboten, heute stehen sie theoretisch jedem offen. Sie werden nur nicht in dem Umfang genutzt in welchem sie angeboten werden.

An finanziellen Mitteln kann es dabei nicht liegen. Menschen sind durchaus bereit 30€ für Premiere zu zahlen oder 55€ für eine Karte zu einem Spiel des FC Bayern. Konzerte von internationalen Popstars kosten pro Karte bis zu 90€, Preise die sich kein Theater so erlauben könnte. Dennoch sind die Stadien voll und die Konzerte meist ausverkauft.

Der Schluss muss also lauten: Die staatliche Förderung geht am Interesse des Volkes vorbei. Griechenland kann sich diesen „Luxus“ nicht mehr leisten. Viele etablierte Theater werden deshalb wohl schließen müssen. So lange die Menschen in Griechenland aber so denken wie diese Regisseurin kann ich daran keinen Verlust erkennen:

"Ich habe mächtig den Eindruck, dass in dieser Krise die Zuschauer nur noch dem zuhören wollen, der etwas Wesentliches zu sagen hat. Und das ist nicht unbedingt das Schlechteste. In Griechenland kennen wir eigentlich Nichts anderes als Krise. Die augenblickliche Misere können wir nicht mehr übertünchen. Und auf einmal geben die Menschen ihr Geld wieder lieber für eine Theaterkarte aus, als für ein neues Handy. Deshalb baue ich im Augenblick mehr auf die verkauften Tickets, als auf irgendeine Unterstützung vom Staat."

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Stefan Lorenz

Dezentral sicher

clip_image003Vom 16. bis zum 17. März fand in Kabul die diesjährige Konferenz der Provincial Reconstruction Teams (PRT) statt. 1 Die PRT stellen eine Schlüsselkomponente im vernetzten Ansatz zum Wiederaufbau Afghanistans dar. Die 26 internationalen Teams koordinieren den Wiederaufbau in den Provinzen und die zivil-militärische Zusammenarbeit.

Der NATO-Vertreter für den zivilen Aufbau Mark Sedwill identifiziert 3 Schlagworte für die neue Strategie der Allianz: Regain, Rebuild, Resolve. Er meint damit Wiedererlangen der Initiative gegenüber den Taliban, Wiederaufbau der von staatlichen Strukturen und Lösung der politischen Probleme die die Bevölkerung die Taliban unterstützen lassen. Die PRT sollen in diesem Zusammenhang konkrete Hilfe mit den Partnern vor Ort realisieren.

Eine bessere Koordination ist auch dringend nötig wie das Beispiel eines Hilfsprojekts von USAID zeigt: USAID hat 2005 ein Straßenbauprogramm für Pflasterstraßen angeschoben. Pflasterstraßen erfordern weniger Material dafür aber viele Arbeitskräfte. So wollte man viele Menschen mit Arbeit versorgen. Als die Straßen fertig waren wurden sie aber kaum genutzt, Kamele können auf Pflastersteinen nicht laufen. 2

Ein weiteres Beispiel: Nach dem harten Winter 2008/2009 entschied das World Food Programme 100.000 Tonnen Weizen zusätzlich zu importieren. Durch diesen Import wurde der Weizenpreis in der Region so stark gedrückt das sich ein Anbau nicht mehr lohnte. Die Folge war ein Anstieg des Opium-Anbaus.

Die PRT haben aber auch die Aufgabe die Autorität der Zentralregierung in die Provinzen zu projizieren. Damit sollen die zentralstaatlichen Strukturen in dem Land gestärkt werden. Vor allem die USA wollen ihre Vorstellung eines geordneten Staatswesens mit relativ starker Zentralregierung durchsetzen. Dabei ist dem durchschnittlichen Afghanen Kabul sicher noch ein wenig fremder als Washington dem Anarchisten aus den Rocky Mountains.

rohrschneider_zeit_kundusDie PRT sollten eher die Möglichkeit erhalten lokale Stammesführer und mindestens  gemäßigte Religionsführer mit einzubinden. Die Stellen vor Ort können viel genauer überprüfen ob man mit dieser oder jener Stammesmiliz nicht doch den Bock zum Gärtner macht. Die von Präsident Karzai angekündigten Verhandlungen mit den Taliban  sind ja anscheinend sowieso gescheitert. Zumindest möchten die offiziellen Vertreter keine Fragen dazu beantworten.

Aus diesen dezentralen Strukturen, ergänzt durch die Provinzräte und mit exekutiver Macht ausgestattet könnte ein Netzwerk an Staatlichkeit entstehen. In einer solchen Konföderation würden auch die ethnischen Konflikte leichter moderiert werden können. Regionale Eigenheiten und religiöse Befindlichkeiten könnten so viel leichter berücksichtigt werden. Mit wachsender Institutionalisierung wächst die Macht einer Zentralregierung von ganz allein.  Viele Sicherheitsprobleme würden so gar nicht entstehen und keine Ressourcen binden. Aber eine solche Strategie erfordert Mut und Vertrauen. Beides sind knappe Güter im Verhältnis zwischen dem Westen und Afghanistan.

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Stefan Lorenz
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