Bundeswehr und Öffentlichkeitsarbeit

Bundespräsident Horst Köhler hat bei seiner heutigen Rede vor den Soldaten des nächsten QRF-Kontingents im Gefechtsübungszentrum Colbitz-Letzlinger Heide eine breite öffentliche Diskussion über den Afghanistan-Einsatz angemahnt. Die Politik sei dazu aufgerufen den Einsatz besser zu erklären um so mehr Rückhalt in der Bevölkerung zu erzeugen. Quelle: ( DLF und focus.de)

Diese Bemühungen werden aber aus genau dem Hause konterkariert das dafür verantwortlich wäre, dem BMVg. Hier wird den Soldaten eine Teilnahme an dem Video-Wettbewerb “Why Afghanistan matters” verboten. Ziel dieses NATO-Wettbewerbes war vor allem die Begründung des Einsatzes aus Sicht der Menschen. Unsere Soldaten die dort unten vor Ort sind werden wohl für nicht ausreichend kompetent gehalten diesen Einsatz zu kommentieren. Gerade in Zeiten von Youtube und Social Networks sollte man aber mit genau solchen Videos ein Gegengewicht zu den Werbekampagnen der Taliban und Co in den Netzwerken bilden. Selbst der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Schneiderhahn beklagt die mangelnde Flexibilität in diesen Fragen im Interview bei soldatenglueck.de. Wenn man sich die in diesem Artikel ebenfalls erwähnte Webseite des Department of Defense anschaut kann man sehen wohin die Reise gehen könnte wenn jemand den entsprechenden Mut aufbringt. Dann wäre der Forderung des Bundespräsidenten von offizieller Seite wohl mehr Rechnung getragen als mit Ehrenmal und Ehrenkreuz. Derartige Ehrungen machen nur Sinn wenn der Ehrung auch breiter Respekt und universale Anerkennung zuteil wird.

Ein kleiner Teil der Öffentlichkeit beschäftigt sich aber zumindest mit einem Problem der heimkehrenden Soldaten, dem PTBS und den Anforderungen an den modernen Soldaten im Allgemeinen. Sogar der Musiker Heinz Rudolf Kunze beschäftigt sich mit den Problemen der Soldaten im Auslandseinsatz, die erste Single seines neuen Projekts heißt dementsprechend auch “Heimgekehrt”. Auch wenn ich kein Fan seiner Musik bin muss ich sagen das der Text sehr treffend und berührend die Gefühle und Gedanken der Soldaten im Einsatz beschreibt. Vor allem das Gefühl des “ im Stich gelassen werdens” drückt er sehr deutlich aus! Zusammen mit dem Themenabend in der ARD wird hier schon ein deutliches öffentliches Interesse sichtbar, im persönlichen Gespräch erlebt man jedoch immer wieder wie wenig Inhalt die “offizielle Kommunikation” vermittelt, es bleibt meist bei Worthülsen wie “Wiederaufbau” und “nation building”.

Die Bundesregierung sollte vor allem die Betroffenen mehr über die Einsätze sprechen lassen und nicht nur einen glatten Pressesprecher der frisch geduscht im Einsatzführungskommando sitzt. Dann würde man den Menschen vielleicht auch einmal klarmachen können wie unglaublich viel die Bundeswehr in den letzten acht Jahren in Afghanistan erreicht hat und warum es sinnvoll ist genau jetzt nicht abzuziehen. Dann könnte man auch einmal der Rhetorik von links außen einmal wirksam begegnen. Des Weiteren sollte man auch einmal die Menschen die in Afghanistan leben mehr zu Wort kommen lassen und sie nicht immer nur als Selbstmordattentäter oder am Straßenrand spielende Kinder zeigen. Um diese Menschen geht es ja bei dem ganzen Einsatz hauptsächlich.

Auch der “Experte” Peter Scholl Latour scheint das bei seinem Bemühen immer eine opportunistische Haltung einzunehmen bisweilen zu vergessen. Erst an diesem Wochenende hat er es bei Anne Will wieder versucht. Eine kleine Kritik bei Cicero:

 

So lange Menschen mit Denkmustern die bereits mindestens zwei Dekaden überholt sind die Deutungskompetenz für Konflikte die es zu “ihrer” Zeit noch gar nicht gab für sich beanspruchen brauchen wir uns nicht wundern warum die Bevölkerung den Einsatz nicht versteht, nicht mal seine Kommentatoren haben ihn ja verstanden!

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Stefan Lorenz

Der Tag heute begann schon wieder mit Nachrichten bei denen man nicht weiß ob man lachen oder heulen soll. Ein ehemaliges Mitglied des Bundeswehrplanungsstabes forderte den Abzug der Truppen aus Afghanistan innerhalb der nächsten 2 Jahre. Während es nun Spekulation bleibt ob diese Äußerung nun Wahlkampftaktik oder unschönes Nachtreten gegen einen ehemaligen Arbeitgeber ist stellt sich jedem taktisch und strategisch halbwegs gebildetem Menschen die Frage nach dem Warum eines schnellen Abzuges. Auch die Äußerung des ehemaligen UN-Sondergesandten für Afghanistan, dass ein Krieg in dem  von Korruption und organisierter Kriminalität zerrissenem Land nicht zu gewinnen sei lässt die gleichen Fragen offen. Lachen musste ich dann doch als die Forderung nach Verhandlungen mit den Taliban genannt wurde.

Das erinnerte mich an eine Episode aus meiner Zeit in Dresden, während der Ausbildung dort besuchten wir einen Vortrag eines “Islamexperten”.  Dieser forderte ebenfalls die Verhandlungen mit gemäßigten Islamisten [sic!] um die Integration voranzubringen. Auf meine Frage welches Interesse denn ein Islamist an Verhandlungen haben sollte wenn er die westlichen Werte so strikt ablehnt wusste er keine Antwort und brach im nächsten Moment die Podiumsdiskussion ab…

Erstens: Verhandlungen mit den Taliban sind gleichzusetzen mit Verhandlungen mit Bankräubern, Dealern, Geiselnehmern Vergewaltigern und Mördern. Wer ist denn die treibende Kraft hinter dem Drogenhandel in Afghanistan, Wer ist denn der Nutznießer der Piraterie am Horn von Afrika? Welcher Politiker würde derartige Verhandlungen in Deutschland ernsthaft fordern? Niemand! Die Gründe dafür liegen wohl auf der Hand.

Zweitens: Zwingen uns nicht gerade diese Zustände dazu den Einsatz fortzuführen, die Anstrengungen sogar noch zu verstärken? Haben die Afghanen ein geringeres Recht auf internationale Hilfe als Deutschland als es von der Diktatur befreit werden musste? Ich denke nicht das die afghanische Bevölkerung dem Einsatz skeptisch gegenüber steht sondern das sie eher enttäuscht sind das wir uns in den Feldlagern verstecken und uns nur ab und an mal mit ein paar Fahrzeugen und Soldaten raus trauen.

Drittens sind diese Zustände in diesem Land doch erst durch internationale Politik entstanden, nicht aufgrund der politischen Unfähigkeit der Afghanen. Das sich die Situation seit 2001 nicht verändert hat kann auch nur jemand behaupten dessen einzige Informationsquelle eine Landkarte ist. Jetzt über Abzug zu sprechen würde nur alle bereits geleisteten Anstrengungen zunichte machen und vor allem den Afghanen die Hoffnung nehmen.

Viertens vermag man als geschickter Rhetoriker/Demagoge eine angebliche Völkerrechtswidrigkeit des Einsatzes herleiten können, eine rationale Grundlage warum dieser Einsatz völkerrechtswidrig sein soll wird man dennoch vergeblich in den Mandaten des Bundestages und der UN suchen. Viel mehr ist es menschenverachtend ( lies die Menschenrechte außer acht lassend) den Taliban in Afghanistan auch nur ein Quäntchen Mitspracherecht einzuräumen. Jede Nation die das afghanische Volk in seiner aktuellen Lage allein lässt macht sich mittelbar mitschuldig an den Menschenrechtsverletzungen in diesem Land.

Niemand in Deutschland kann doch ernsthaft glauben das ein Abzug, in welcher Weise er auch geschehen mag, sinnvoll ist. Pazifistische Rhetorik und Appeasement haben bereits gegenüber der letzen politischen Religion versagt warum sollte es diesmal anders sein?

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Stefan Lorenz
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