Jörg Schönbohm hat in einem Interview gefordert das man die christlichen Werte vor allem Ostdeutschland wieder stärker fördern sollte, genauer hat er gesagt das man damit vor allem der “Verwahrlosung und Entbürgerlichung” in Ostdeutschland bekämpfen soll. Der General a.D. und Innenminister des Landes Brandenburg hat damit wohl mehr als nur fehlendes Taktgefühl bewiesen, er hat vor allem absolut herablassend alle Ostdeutschen als Bürger zweiter Klasse bezeichnet.
Irgendwie erschließt sich mir der Zusammenhang zwischen Religion und Demokratie nicht, und auch nicht wieso die politische Indoktrination und die kirchenfeindliche Politik des DDR-Regimes irgendwie eine angebliche Verwahrlosung gefördert haben.
Meiner Meinung nach ist Religion Privatsache und hat nichts mit einem Demokratieverständnis zu tun. Dier vom Minister angesprochene Verwahrlosung kann man wohl eher der gescheiterten Politik in den neuen Länder zur Last legen. Menschen die viel Hoffnung in die Wiedervereinigung gelegt haben sind nicht mitgenommen worden in das neue politische System, der Verlust ihrer Arbeitsplätze und Verfall kommunaler Strukturen hat den Prozess der Entfremdung noch beschleunigt. Dieser Prozess ist aber nicht auf Ostdeutschland beschränkt, in den ländlichen Gegenden der Bundesländer Niedersachsen oder Bayern gibt es sicher Dörfer die eine ähnliche Sozialstruktur aufweisen und deren Bewohner genau soviel mit bürgerlichen Werten anfangen können!
Außerdem ist Religion eine sehr undemokratische Einrichtung oder hat einer der “Laien” der katholischen Kirche schon mal an der Papstwahl teilgenommen? Das Christentum als Garanten des bürgerlichen Europa hinzustellen ist ist an sich schon vermessen, schließlich hat erst die Aufklärung und die Befreiung des Denkens vom christlichen, insbesondere katholisch geprägten Duktus den Aufstieg Europas ermöglicht und die bürgerliche Kultur hervorgebracht. Eine Missionierung ist also nicht notwendig Herr Minister.
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